Kundenorientierte Innovationen:

Ein Gespräch mit Charles Beadnall, CTO, GoDaddy

Mai 2019 | Interview

GoDaddy unterstützt Unternehmer auf der ganzen Welt, indem es Hilfe und Tools bereitstellt, um online erfolgreich zu sein. Mit 19 Millionen Kunden weltweit ist GoDaddy der Ort, an dem Ideen angesprochen, professionelle Websites erstellt, Kunden gewonnen und die Arbeit verwaltet wird.  

Vor kurzem hatte AWS Enterprise Strategist Miriam McLemore die Gelegenheit, sich mit GoDaddy-CTO Charles Beadnall zu treffen, um über seine Erfahrungen im Unternehmen zu sprechen, das Inspirieren und Vorantreiben von Innovationen und die Wurzeln dessen zu finden, was Kunden wirklich schätzen.

Miriam McLemore: Beginnen wir am Anfang. Könnten Sie etwas über GoDaddy und Ihre Rolle im Unternehmen erzählen?

Charles Beadnall: Sehr gerne. GoDaddy unterstützt kleine Unternehmen dabei, online zu gehen. Wir sind am bekanntesten für den Verkauf von Domain-Namen. In der Realität helfen wir Kunden jedoch in vielen anderen Bereichen. Zum Beispiel beim Erstellen von Websites, Hosten ihrer E-Mails, Verbessern ihrer Suchmaschinenergebnisse usw. Auf dem Markt für kleine Unternehmen besitzen viele unserer Kunden nicht viel an zusätzlicher Bandbreite, um solche technischen Funktionen zu übernehmen. Unsere Aufgabe ist es, es ihnen so einfach wie möglich zu machen, online zu gehen und erfolgreich zu sein.

Und dies ist, wo mein Team ins Spiel kommt. Als CTO bei GoDaddy lege ich die technischen Richtlinien sowie die Engineering-Standards und -Praktiken im gesamten Unternehmen fest. Dazu gehören Dinge wie unsere Einführung der AWS Cloud, die Einführung neuer Technologien wie Machine Learning oder das Festlegen der Qualität und der Standards für die Bereitstellung im Unternehmen – wobei alles darauf abzielt, eine bessere Benutzererfahrung für unsere Kunden zu erzielen.

Miriam McLemore: Können Sie mir mitteilen, wie Sie Ihr Team dazu inspirieren, die Kundenerfahrung zu verbessern?

Charles Beadnall: Innovation hat zwei wesentliche Aspekte. Der Eine ist der Funke der Kreativität, der meiner Meinung nach schwerer zu inspirieren ist. Der Andere ist, eine Formel zu besitzen, die das Experimentieren ermöglicht. Das heißt: ein Mechanismus, anhand dessen unsere Teams eine Hypothese aufstellen, ein Experiment daraus erstellen und dieses dann ausführen können, während Daten aus den Ergebnissen erfasst werden.

Daraus entsteht dann ein kontinuierlicher Zyklus, in dem Ideen aufgegriffen und datengestützte Experimente gegen sie erstellt werden. Anhand der Daten können wir dann feststellen, ob sie erfolgreich waren. Nach unserer Erfahrung sind die erfolglosen Experimente genauso lehrreich wie jene, bei denen die Metriken so verlaufen, wie Sie es sich vorstellen. Letztendlich ist es der von Ihnen gefundene Datenpunkt, der Ihnen hilft, zu identifizieren, was bei Kunden Resonanz findet oder nicht.

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Die beiden Innovationsaspekte bei GoDaddy

Eine Sache, die ich zu meinen Teams gesagt habe, ist, dass das Einsetzen dieses Mechanismus dem Fahrradfahren sehr ähnlich ist. Anfangs fühlt es sich wie etwas Neues und Einzigartiges an, aber wenn man ein paar Mal mit dem Fahrrad durch den Hof gefahren ist, ist man bereit für die offene Straße. An diesem Punkt ist man ebenfalls dazu bereit, anderen zu helfen, auf die Straße zu kommen.  

"Innovation hat zwei wesentliche Aspekte.
Der Eine ist der Funke der Kreativität, der meiner Meinung nach schwerer zu inspirieren ist.
Der Andere ist, eine Formel zu besitzen, die das Experimentieren ermöglicht."

Miriam McLemore: Können Sie ein Beispiel für diese Innovation in Aktion nennen? Wie sah das aus?

Charles Beadnall: Eines unserer Ziele bei der Einführung von AWS war es, die technischen Anforderungen bei GoDaddy zu verbessern. Und damit meine ich, dass wir unsere Arbeitsweise konsequenter gestalten. Zu Beginn unserer Cloud-Migration haben wir eine Menge Papierdokumente erstellt, um unsere Prozesse zu erfassen, sowie Rückblicke darauf, was funktioniert hat oder was nicht.

Diese Erfahrung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben uns dazu veranlasst, ein Self-Service-Portal zu erstellen, um diese Fragen innerhalb eines Formulars zu erfassen. Außerdem haben wir Dinge wie Finanzgenehmigungen und Skripte zur Erstellung von Umgebungen hinzugefügt. Heutzutage können Entwickler dieses Portal nutzen, um neue Projekte (von der ersten Idee bis zu den prognostizierten Baukosten) auf automatisierte Weise vorzuschlagen. Genehmigungen werden automatisch weitergeleitet und sobald sie genehmigt wurden, wird ihre Umgebung automatisch bereitgestellt.

Die Self-Service-Erfahrung bietet uns eine einfachere – und wiederholbare – Möglichkeit zum Experimentieren. Zudem können wir die Erkenntnisse aus jedem Projekt übernehmen und bewährte Verfahren weiter automatisieren und kodifizieren. Unsere Entwickler wiederum haben uns mitgeteilt, dass sie mit dem neuen Ansatz viel zufriedener sind. Innovationshemmnisse wurden beseitigt.

Miriam McLemore: Wie ordnen Sie alle Experimente und Innovationen bei der Bewertung ein und priorisieren sie?

Charles Beadnall: Eine Strategie, die wir in meinem Team verwenden, ist das Konzept von Horizonten, welche sich aus einem McKinsey-Framework zur Aufrechterhaltung von Wachstum und Innovation ergeben. In diesem Modell repräsentiert Horizont Eins bekannte und etablierte Kerngeschäfte. Horizont Zwei steht für neue Möglichkeiten, die bereits ausgebrütet und erfolgreich ausgebaut wurden. Und Horizont Drei sind all die brandneuen Dinge, die man gerade erforscht.

Der Grund für die Verwendung dieses Modells besteht darin, dass der Begriff Innovation seine Bedeutung verlieren kann, wenn man die ganze Zeit darüber spricht. Wenn Sie jedoch das Horizontmodell anwenden, können Sie die Erwartungen in Bezug auf Auswirkungen und Investitionen besser verwalten. Damit meine ich zum Beispiel, dass Sie bei Horizont Drei mehr Variabilität und auch mehr Fehler erwarten können. Bei Horizont Zwei können Sie Wachstum erwarten, und bei Horizont Eins wird dieses Wachstum langsamer, aber stetiger. Unser Domain-Namen-Markt ist zum Beispiel ein Horizont-Eins-Geschäft. Der After-Market-Kauf von bereits gekauften Domains (und das Verständnis ihres Werts) ist ein Geschäft von Horizont Drei und ein Bereich, von dem wir mehr Variabilität erwarten. Unser Ziel ist es, eine überschaubare Anzahl von Unternehmen in Horizont Drei, einige in Horizont Zwei sowie in Horizont Eins das Kerngeschäft zu haben, auf dem GoDaddy gegründet wurde.

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Horizonte nutzen, um Erwartungen in Bezug auf Auswirkungen und Investitionen zu steuern

Miriam McLemore: Ich sehe viele Parallelen zwischen den Ansätzen von Amazon und GoDaddy, kundenorientiert zu sein. Können Sie beschreiben, wie Sie diese Kundenergebnisse definieren?

Charles Beadnall: Wir haben uns von der Position wegbewegt, bei der Erfolg als Kauf eines Produkts definiert wird. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, wie häufig unsere Kunden die von ihnen gekauften Produkte verwenden. Insbesondere beschäftigen wir uns immer mehr mit Aktivierungsmetriken im Vergleich zu den herkömmlicheren Metriktypen. Hat beispielsweise jemand, der eine Domain gekauft hat, eine Domain mit einer Website verbunden? Hat er Inhalte auf dieser Website veröffentlicht? Besitzt er einen aktiven Datenverkehr? Infolgedessen arbeiten wir ständig daran, die Messlatte weiter nach vorne zu verschieben, um den nächsten Meilenstein für unsere Kunden zu erreichen.

Ein Indikator dafür, ob Kunden einen Domainnamen mögen, ist beispielsweise, ob sie ihn in ihren Warenkorb legen. Wir haben in ein Suchsystem für Domainnamen investiert, um diese Entscheidung zu unterstützen. Die meisten derartigen Suchsysteme betrachten, was bereits vorhanden ist. Wir versuchen jedoch, nicht vorhandene Domain-Namen zu finden – ein grundlegend anderes Problem, das mit einer anderen Art von Metrik zusammenhängt.

Außerdem handelt es sich hierbei um einen Bereich, in dem wir Machine Learning verwenden, um die Einzigartigkeit des Kunden zu analysieren. Einige Kunden möchten lediglich E-Mail-Konten für ihr Unternehmen erhalten. Andere möchten E-Commerce-Websites erstellen, Inhalte hochladen und online verkaufen. Letztendlich ist es unser Ziel, herauszufinden, was jeder einzelne Kunde wertvoll findet, und ihn auf diesem Weg zu unterstützen.

Miriam McLemore: Eine andere Sache, über die wir bereits gesprochen haben, ist Vielfalt und Inklusion. Ich würde hierzu gerne mehr über den Ansatz von GoDaddy erfahren.

Charles Beadnall: Vielfalt und Inklusion sind bei GoDaddy enorm wichtig. Wir sind der festen Überzeugung, dass ein vielfältiges und integratives Umfeld für Mitarbeiter uns dabei hilft, die unterschiedlichen und einzigartigen Bedürfnisse unserer Kunden besser zu berücksichtigen und Innovationen in ihrem Namen zu fördern.

GoDaddy ist ein führender Anbieter in diesem Bereich, indem wir Transparenz in Bezug auf unsere Gehaltsparitäts- und Diversitätsmetriken bieten. Wir waren eines der ersten Unternehmen, das diese Informationen offenlegte und Transparenz und Konversation in der breiteren Tech-Branche förderte. Obwohl wir anerkennen, dass noch viel zu tun ist, sind wir stolz auf unsere Fortschritte.

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Vielfalt und Inklusion bei GoDaddy

Informationen zu unseren Gästen

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Charles Beadnall
Chief Technology Officer, GoDaddy

Charles ist dafür verantwortlich, dass das GoDaddy-Engineering den Kunden eine leistungsfähigere, integrierte Erfahrung bietet, indem er Schlüsseltechnologien und -funktionen wie die öffentliche Cloud und Machine Learning anwendet. Bevor er 2013 zu GoDaddy kam, war Charles verantwortlich für Werbung und Personalisierungsplattformen bei Yahoo! Vor Yahoo! war er in leitenden Positionen bei Metaweb Technologies, Verisign und WR Hambrecht + Co. tätig. Charles studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität und hat einen Bachelor of Arts der Northwestern University. 

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Miriam McLemore
Enterprise Strategist, Amazon Web Services

Bevor sie zu Amazon wechselte, war Miriam Chief Information Officer, Corporate and Consumer Technologies und eine Führungskraft in der Global Information Technology Division von The Coca-Cola Company. In dieser Rolle übernahm sie im Unternehmen die weltweite Führung in allen Technologiefragen für das globale Marketing, die Verbraucher- und Handelsführung, die Produktforschung, das Personalwesen sowie in den Bereichen Rechtswesen, Nachhaltigkeit, PR und strategische Sicherheit. Weitere Informationen zu Miriam »


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