DB Vertrieb GmbH organisiert als Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn den Vertrieb des gesamten DB-Personenverkehrs und einer Vielzahl weiterer Verkehrsunternehmen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der Vertrieb bildet die Schnittstelle zwischen Verkehrsunternehmen und täglich rund 5,5 Millionen Fahrgästen im Schienenverkehr allein bei der DB. Mit rund 860.000 Ticketverkäufen und Reservierungen täglich hat sich die DB-Tochter als der führende Vertriebsdienstleister für den öffentlichen Personenverkehr positioniert. Bei der DB Vertrieb GmbH und ihren Töchtern sind bundesweit rund 5.800 Mitarbeiter beschäftigt. Mit bahn.de und dem DB Navigator entwickelt und betreibt die DB Vertrieb mit die reichweiten- und umsatzstärksten Reise- und Mobilitätsportale und -App in Europa.

Im Jahre 2016 stand für DB Vertrieb die Erneuerung eines älteren Rechenzentrums an, welches die Rechenleistung in einem möglichen Katastrophenfall für die Fahrplanauskunft zur Verfügung stellte. Die DB Vertrieb musste sich entscheiden: Entweder man tätigte eine signifikante Investition in die Erneuerung bestehender Infrastrukturen oder man entschied sich für die Möglichkeiten neuer Cloud Technologien. Neue Cloud Technologien bedeutete für DB Vertrieb, dass die vorhandene Art der Bereitstellung von Rechenleistungen transformiert würde – in eine neue Art der Bereitstellung aktueller sowie neuer Funktionalitäten.

Der weitere Betrieb im vorhandenen Rechenzentrum erforderte, den zukünftigen Kapazitätsbedarf abzuschätzen mit der Gefahr, dass bei einer zu hohen Schätzung nicht benötigte Ressourcen brach lagen, bei einer zu niedrigen Schätzung bei hohem Bedarf keine Kapazitäten zur Verfügung standen. Im letzteren Fall würde die Kundenerfahrung negativ beeinflusst werden insbesondere in witterungs- oder streikbedingten Ausnahmesituationen. Eben diese Schätzung des zukünftigen Kapazitätsbedarfs gestaltete sich traditionell schwierig, war aber ein maßgeblicher Faktor für die Höhe der anstehenden Investition.

Auch bei der Agilität und der Möglichkeit, neue Ideen und Funktionalitäten auszuprobieren, wollte DB Vertrieb neue Wege gehen. Innovationen und neue Technologien sollten möglichst schnell und kosteneffizient getestet, implementiert und ausgerollt werden können. Im alten Rechenzentrum war die benötigte Infrastruktur teilweise erst nach Monaten und mit hohem Abstimmungsaufwand verfügbar, was zu längeren Projektlaufzeiten und auch zu indirekten negativen Kosteneffekten bei Projekten führte.

DB Vertrieb entschied sich daher, diese Herausforderungen mit Lösungen von Amazon Web Services anzugehen. Ende 2015 wurde ein Team gebildet, das die Fahrplanauskunft von bahn.de in die Cloud bringen und eine hybride Lösung zwischen Cloud und Rechenzentrum ausarbeiten sollte.

Sicher waren das Pay-as-you-go-Preismodell sowie die Elastizität der Ressourcen von Amazon Web Services Beweggründe für den Wechsel in die Cloud, aber auch das breite Service-Portfolio war mit ausschlaggebend. Zum einen bot AWS Direct Connect die Möglichkeit, eine sichere und performante hybride Infrastruktur zwischen AWS und dem Rechenzentrum aufzubauen, zum anderen konnten nach der Implementierung in der Cloud die Innovationen von AWS schnell in neue Angebote von DB Vertrieb eingebunden werden.

Somit überzeugte Amazon Web Services als Cloud Provider durch seine Erfahrung, Infrastruktur, Innovationspotenzial und Partnernetzwerk DB Vertrieb als Partner für die Implementierung.

DB Vertrieb, AWS und der interne IT-Serviceprovider DB Systel arbeiteten eng zusammen, um einen nahtlosen und sicheren Übergang zwischen Rechenzentrum und Cloud zu gewährleisten. Nach einem initialen Trainingsplan für das Projektteam wurde zusammen mit AWS eine Architektur im Sinne des Well Architected Frameworks erarbeitet. Um die Agilität und Skalierbarkeit von AWS bestmöglich zu nutzen, musste die Applikation an einigen Stellen umgebaut werden.

Für die Provisionierung neuer Systeme wurde CloudFormation konsequent eingesetzt und um die Kosten im Griff zu behalten wurde CloudWatch implementiert. AWS Autoscaling sorgt jetzt für die automatische, bedarfsgesteuerte Skalierung der Infrastruktur. Für lückenlose Transparenz der Lösung in der Cloud wurden Sicherheitsrichtlinien erarbeitet und implementiert. U.a durch die Verwendung von Direct Connect konnte letztendlich die Cloud Infrastruktur mit dem DB Rechenzentrum in einer „Active/Active“ - Konfiguration verbunden werden.

Besonders kritisch war diese enge Integration der beiden Welten in der Übergangsphase, in der zwecks Risikovermeidung sukzessive Workloads vom Rechenzentrum zu AWS verlagert wurden, so dass beide Systeme in einer Hybrid-Cloud-Architektur parallel betrieben werden. Immerhin mussten in dieser Zeit über 15 Mio. Anfragen pro Tag sicher über beide Welten beantwortet werden.

„Dabei wurde das gesammte Projekt inklusive Training und Experementierphase rein aus den Kostenersparnissen finanziert, wobei immer noch Finanzmittel übrig sind. Rückblickend lohnte sich der Wechsel in die Cloud auf jeden Fall“ – Dr. Helmut Kramer, Seniorberater und Projektleiter Bereich Personenverkehr/Vertriebssysteme.

Durch den Wechsel in die Cloud erfolgte die erforderliche Vorsorge für den Katastrophenfall ohne kostspielige Investitionen in neue eigene Rechenzentrumstechnik. Mit Hilfe der Cloudtechnologie und dem damit verbundenen hohen Automatisierungsgrad stellt DB Vertrieb jetzt Infrastruktur für die Fahrplanauskunft lastenoptimiert zur Verfügung, was zu Kostenersparnissen im zweistelligen Prozentbereich geführt hat.

Zudem konnte die Bereitstellung von Infrastruktur für neue Projekte von Monaten auf wenige Minuten reduziert werden. Aufgrund der günstigen Bereitstellungskosten der Infrastruktur und der Automatisierung wurde zudem das Management von Releases über Blue-Green-Deployments noch einmal vereinfacht; sowohl die Hinzunahme der Cloud-Installation als auch Regelreleases erfolgen bei der Reiseauskunft der Bahn mit Zero-Downtime!

Durch die gewählte Active-Active-Konfiguration konnten nicht nur die Risiken bei der Inbetriebnahme deutlich reduziert werden, weil die in die Cloud verlagerten „Lasten“ mit dem implementierten Steuerungsmechanismus sukzessive gesteigert wurden. Mit dem gleichem Mechanismus kann jetzt die aktive Cloud-Instanz analog eines Cloudburstings unkalkulierbare Lastspitzen abfedern.

Durch den Einsatz von AWS Lösungen wie Cloud FormationCodeCommit sowie Ansible konnte ein Kulturwechsel bei der Bereitstellung von neuen Funktionalitäten angeschoben werden, der letztendlich zu häufigeren, schnelleren und kosteneffizienteren Innovationen bei DB Vertrieb führen wird.

„Mit unserer Fahrplanauskunft auf AWS können wir jetzt auch in Extremsituationen mit gleichbleibenden Antwortzeiten auf die Kundenanfragen reagieren. Durch die jederzeitige, virtuelle Skalierbarkeit bleibt die Customer Experience konstant und wir sparen gleichzeitig Betriebskosten in signifikanter Höhe ein“ sagt Oliver Krülle, CIO DB Vertrieb.

Neben Kosteneinsparungen soll dies auch die Innnovationsgeschwindigkeit drastisch erhöhen, da in der Cloud jetzt jederzeit alternative Architekturen und neue Funktionalitäten getestet werden können.