Bei diesem Projekt ging es um die Markteinführungszeit und es gelang uns, die Migration auf die AWS-Cloud in sechs Monaten durchzuführen. Mit unseren physischen Servern hätte es mindestens doppelt so lange gedauert.
Jim McDonald leitender IT-Architekt

Hess Corporation ist ein weltweit führender unabhängiger Energiekonzern mit Schwerpunkt auf der Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas. Das Unternehmen wurde 1933 gegründet und besitzt Niederlassungen in mehr als einem Dutzend Ländern. Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in New York (N.Y.) und regionale Hauptniederlassungen in Houston (Texas) und Kuala Lumpur (Malaysia).

Unternehmen kaufen und verkaufen Geschäftsbereiche aus strategischen, finanziellen und anderen Gründen. Der Prozess kann Auswirkungen auf alle Teile eines Unternehmens haben und – wenn er nicht effizient durchgeführt wird – Störungen der betrieblichen und geschäftlichen Abläufe mit sich bringen. 2013 entschied Hess, das Unternehmen zu verschlanken, um sich auf Energieexploration und -produktion (E&P) zu konzentrieren. Im Rahmen dieses Prozesses gab das Unternehmen im März 2013 seine Absicht bekannt, seine nachgelagerten Geschäftsbereiche, einschließlich Einzelhandel, Energy Marketing und Terminals, zu veräußern. Im Vorgriff auf die Trennung der Geschäftssysteme und Daten für potenzielle Käufer begann Hess IT im Juli 2013 die Arbeit auf Amazon Web Services (AWS). In einer vertraglichen Vereinbarung wurde festgelegt, dass die Umgebung bis Januar 2014 einsatzbereit und in Betrieb sein würde.

"Wir hatten allgemeine Tests mit der Cloud-Technologie und IaaS (Infrastructure as a Service) gemacht, und die Verkaufsankündigung war die perfekte Gelegenheit, den Übergang zu beschleunigen", erklärt der leitende IT-Architekt Jim McDonald. "Wir waren verpflichtet, dem Käufer eine funktionierende, betriebsbereite Infrastruktur zu übergeben. Zudem waren wir Hess gegenüber verpflichtet, sicherzustellen, dass die Infrastruktur in kurzer Zeit übergeben werden konnte, sowohl rechtlich als auch physisch. Die Verwendung der Cloud ermöglichte es uns, alle diese Anforderungen zu erfüllen, und wir sind von den Ergebnissen begeistert."

Das IT-Unternehmen hatte seine Gespräche über die Cloud mit Nimbo, einem Beratungspartner der Stufe "Advanced" des AWS-Partnernetzwerks (APN), Anfang 2013 begonnen. Zusammen mit Nimbo erstellte Hess eine Liste der infrage kommenden Anbieter und wählte schließlich Amazon Web Services (AWS).

"Wir hatten keine Zeit für eine Anpassung unserer Anwendungen", erklärt McDonald. "AWS war in der Lage, unsere bestehenden 32-Bit-Anwendungen auf Windows Server 2003, eine Vielzahl von SQL Server- und Oracle-Datenbanken und eine robuste Citrix-Umgebung zu unterstützen."

Um die Infrastruktur für die Migration zu AWS vorzubereiten, entwickelten Hess und Nimbo eine zweigleisige Strategie, die sie parallel umsetzten:

• Eine detaillierte Liste, welche die Server, die migriert werden sollten, Betriebssystemebenen, Prozessor- und Speicheranforderungen, Speicherkonfiguration sowie Sicherungs- und Wiederherstellungsanforderungen identifizierte

• Einen Anwendungsprüfprozess, in dem die Anwendungen, die an den Käufer übergehen würden, sowie Integrationspunkte, Leistungsanforderungen, Remote-Zugriff, Auslastung von Festplatten und Wachstum identifiziert wurden

"Wir wollten keine Änderungen an der Infrastruktur vornehmen, die den Übergang erschwert hätten", erläutert McDonald. "Soweit möglich, erstellten wir die Instances auf AWS nach den gleichen Spezifikationen wie die lokale Umgebung."

Ira Bell, Mitgründerin und COO von Nimbo erinnert sich: "Wir denken, dass AWS ganz entscheidend dazu beigetragen hat, dass wir unser Konzept, das gesamte Unternehmen zusammenzupacken und an den Käufer zu übergeben, umsetzen konnten. Wir haben den Geschäftsbereich Energy Marketing wie ein lebendes Objekt behandelt. Wir haben intensiv darüber nachgedacht, wie wir dieses Objekt nehmen und in eine Art Treuhand-Umgebung oder irgendeine neutrale Zone verlagern könnten. Es war äußerst wichtig, dass das Geschäft während der Übergangsperiode erfolgreich weiterlaufen könnte."

Hess wählte im Juli eine Reihe von Pilotanwendungen aus und begann damit, die Basisinfrastruktur auf der AWS-Plattform aufzubauen. Nach den ersten Erfolgen und mit der Unterstützung der Führungsebene sammelte das Team in den folgenden Wochen detaillierte Informationen über das verbleibende Anwendungsportfolio und übergab Nimbo seine Sicherheitsanforderungen.

Die Arbeit in einer Cloud-Umgebung war ein organisatorischer und kultureller Wandel für Hess und es war entscheidend, die Zustimmung der Anwendungsteams dafür zu erhalten. "Es war von entscheidender Bedeutung, dass alle Beteiligten sich mit den Fähigkeiten der AWS-Plattform vertraut machten und von diesem Ansatz auch überzeugt waren", sagt McDonald. Nimbo organisierte informelle Treffen, um den Anwendungsentwicklern – die gewöhnlich nicht mit AWS zu tun hatten – die Gelegenheit zu bieten, mehr über die Cloud-Kerntechnologien und -Funktionen zu erfahren.

Hess richtete im August 2013 eine VPN-Verbindung ein, um sein lokales Rechenzentrum mit Amazon Virtual Private Cloud (Amazon VPC) auf AWS zu verbinden. "Amazon VPC war ein hervorragender Weg für uns, die Server logisch in geeignete Subnetze zu unterteilen und die von uns gewünschte Netzwerkkonfiguration zu verwenden."

Als sich die Anforderungen des Unternehmens weiterentwickelten, wechselte Hess zu AWS Direct Connect mit einer Verbindung von 1 Gbit/s, die eine konsistentere Netzwerkleistung sicherstellt. "Wir hatten einige ziemlich komplexe Anforderungen hinsichtlich der Datenreplikation bei der Migration", erklärt McDonald. "Alles funktionierte wie erwartet und unsere Supportteams konnten zur Verwaltung der Server dieselben Tools verwenden, die sie aus der Arbeit in unserem Rechenzentrum kannten. Die Cloud war praktisch eine Erweiterung unseres Netzwerks."

Hess migrierte in der Region USA Ost (Nord-Virginia) ca. 300 Server nach AWS. Amazon Elastic Block Store (Amazon EBS) wurde Amazon Elastic Compute Cloud-Instances (Amazon EC2) zugewiesen und bietet Speicherung auf Blockebene für nahezu 500 TB Daten. Bereitgestellte E/A-Sek.-Volumes in Verbindung mit für EBS optimierten Instances bieten für Server mit anspruchsvollen E/A-Anforderungen Speicher mit einheitlicher Leistung und kurzer Latenz. In extremen Fällen wurden bereitgestellte E/A-Sek.-Volumes als RAID-Array konfiguriert, um die Leistung zu steigern.

Außerdem umfasste die Umgebung mehrere Availability Zones, um die Umgebung besser für die Notfallwiederherstellung (Disaster Recovery, DR) aufzustellen. McDonald kommentiert: "Wir waren zwar nicht vertraglich verpflichtet, eine DR-Fähigkeit bereitzustellen, aber wir brachten die Entwicklungsumgebung in einer zweiten Availability Zone unter, sodass der Käufer sie als Grundlage für einen DR-Plan verwenden konnte."

Für seine lokale Umgebung verwendet Hess ein Band-Sicherungssystem. Das Team konfigurierte die Plattform auf AWS so, dass Snapshots der einzelnen Volumes erstellt werden, die in Amazon Simple Storage Service (Amazon S3) für die nächtliche Datensicherung gespeichert werden. Die Snapshots werden den Instances zu Dateiabruf- und Rollback-Zwecken zugewiesen. "Durch Snapshots sind wir sowohl bei einem Serverausfall als auch bei einem versehentlichen Löschen oder einer Beschädigung von Daten abgesichert", sagt McDonald. "Wir nutzten die Möglichkeit, mit der Amazon EC2-Konsole, den Tools der Amazon EC2-Befehlszeilenschnittstelle (Command Line Interface, CLI) oder einer API Snapshots innerhalb einer Region einfach auf eine andere AWS-Region zu kopieren. Mithilfe von Snapshot-Kopien erstellten wir Datensicherungen sowie neue Amazon EBS-Volumes und Standard-AMIs (Amazon Machine Images), die Microsoft Windows Server 2003 und Windows Server 2008 ausführen."

Hess verwendete mehrere Versionen von Microsoft SQL Server in seiner Umgebung, einschließlich Standard- und Enterprise-Versionen von SQL Server 2000, SQL Server 2005 und SQL Server 2008. Zur Erstellung von Sicherungen für die SQL Server- und Oracle-Datenbanken verwendete das Unternehmen native Datenbanksicherungstools, mit denen die Daten zunächst in Amazon S3 und dann zur langfristigen Archivierung in Amazon Glacier gespeichert werden.

Amazon CloudWatch überwacht Cloud-Ressourcen und die Anwendungen. Die lokale Infrastruktur des Unternehmens umfasste NetScaler-Geräte zur Lastverteilung und F5 zur Firewall-Verwaltung für Anwendungen. Hess nutzte den AWS Marketplace zur Virtualisierung der lokalen Geräte in der Cloud. Abbildung 1 zeigt die Infrastruktur auf AWS.

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Abbildung 1. Energy Marketing-Infrastruktur auf AWS

Die IT-Umgebung für Energy Marketing besteht zu etwa 50 Prozent aus Standardsoftware und zu weiteren 50 Prozent aus benutzerdefinierten Anwendungen. Nahezu alle benutzerdefinierten Anwendungen wurden mithilfe von Microsoft .NET Framework entwickelt. Die meisten Anwendungen (sowohl benutzerdefinierte als auch Standardsoftware) verwenden SQL Server-Datenbanken oder Oracle, je nach Anforderung. Etwa 70 Prozent der Anwendungen sind webbasiert. Die übrigen sind "Thick Clients" (d. h. sie laufen auf Computern, die mit einem Netzwerk verbunden sind).

Hess nutzte die AWS-Plattform, um die Umgebung aufzubauen, sie zu erweitern und falsche Entscheidungen schnell zu erkennen. "Wenn etwas nicht funktionierte, konnten wir es einfach wieder einreißen und innerhalb weniger Stunden oder Tage neu aufbauen", erzählt McDonald. "Wir fanden die Flexibilität, Dutzende Server schnell zu erstellen, einfach phantastisch."

Hess erstellte die Hälfte der für seine Produktionsumgebung erforderlichen Server und klonte die übrigen mithilfe von Code. Mit diesem Konzept konnte Nimbo hundert Server an einem Tag erstellen. "Das wäre in unserer lokalen Umgebung einfach unmöglich gewesen", beschreibt McDonald. "Das Erstellen von 100 Servern mit einem einzigen Klick war einfach genial." Bell kommentiert: "Eine unserer wichtigsten Stärken bei Nimbo ist unsere DevOps-Praxis. Wir haben eine Reihe von Führungskräften, die geradezu aufblühen, wenn sie eine Plattform wie AWS nutzen können."

Durch die Verwendung der AWS Cloud konnte Hess Microsoft Windows und SQL Server installieren und virtuelle Appliances einfach ohne einen langwierigen Beschaffungs-- und Lizenzierungsprozess erstellen. "Ein Projekt dieser Art stellt immer Herausforderungen", stellt McDonald fest. "Die AWS-Umgebung bietet Alternativen und für jedes Problem mehrere verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Diese Flexibilität war der Schlüssel für unseren Erfolg."

"Bei diesem Projekt ging es um die Markteinführungszeit und es gelang uns, die Migration auf die AWS-Cloud in sechs Monaten durchzuführen", sagt McDonald. "Mit unseren physischen Servern hätte es mindestens doppelt so lange gedauert."

Ziel von Hess war es, die Infrastruktur möglichst reibungslos und ohne langwierige Supportvereinbarung an einen neuen Eigentümer übergeben zu können. Das Unternehmen begann die Verwendung von AWS als Produktionsumgebung im Januar 2014 und übergab die Umgebung im Februar an den Käufer.

Zur Minimierung des Sicherheitsrisikos und für den Zugriff auf die Umgebung verwendete Hess ein AWS Multi-Factor Authentication(MFA)-Gerät für die Authentifizierung. Der Käufer richtete ein AWS-Konto ein, und nach der Übertragung der Anmeldeinformationen übergab ihm Hess das Gerät. "Die Übergabe erfolgte in einem 30-minütigen Meeting", berichtet McDonald. "Es war unglaublich einfach."

"Hess und Nimbo nutzten AWS zweifellos für einen der ungewöhnlichsten Anwendungsfälle, die ich jemals für die Cloud gesehen habe", sagt Bell. "Wir übergaben dem Käufer die Schlüssel im Rahmen eines orchestrierten, aber dennoch einfachen Prozesses, und das Unternehmensgeschäft lief wie erwartet weiter. Ich bin von der Vordenkerrolle von Hess und AWS tief beeindruckt, und stolz darauf, dass Nimbo Teil einer so herausragenden Cloud-Implementierung sein durfte."

Der Erfolg dieser Akquisition hat das Bewusstsein für Cloud-Services bei Hess gesteigert. "Unsere Arbeit hat dem Unternehmen aufgezeigt, was mithilfe von AWS geschafft werden konnte", sagt McDonald. "Der Anstoß für diese besondere Anstrengung war der Verkauf – aber jetzt, nach Abschluss des Prozesses, wissen wir, was mit AWS Cloud alles möglich ist. In Zukunft werden wir versuchen, alternativ zu unseren lokalen Möglichkeiten Cloud-Lösungen zu erstellen."

Weitere Informationen dazu, wie AWS Ihnen bei der Abwicklung Ihrer Geschäfte helfen kann, finden Sie auf unserer Enterprise IT-Seite: http://aws.amazon.com/enterprise-it/.

Weitere Informationen, wie Ihnen Nimbo beim Betrieb Ihres Unternehmens in der AWS-Cloud helfen kann, finden Sie im Eintrag von Nimbo im AWS-Partnerverzeichnis.