Es geht hier nicht einfach nur um eine jederzeit verfügbare Infrastruktur. Nein, es geht um eine völlig neue Arbeitsweise, die wirklich zu unserem Continuous Delivery-Vorsatz passt. 
Erik van Eekelen Chief Information Officer

Open Universities Australia (OUA) bietet Fernstudiengänge und Online-Kurse für Studenten in Australien und anderen Ländern an. Eigentümer und Betreiber des 1993 gegründeten Bildungsanbieters OUA sind sieben australische Universitäten. OUA beschäftigt 300 Mitarbeiter in Büros in Melbourne und Adelaide. Ende 2012 entschloss sich OUA zur Entwicklung von Open2Study, einer der breiten Öffentlichkeit offen stehenden Website für Online-Kurse und Online-Lernen. Heute werden die vierwöchigen Kursmodule von Open2Study weltweit von 500 000 Studenten im Internet besucht, wobei die Freie Universität ein vielseitiges Kursangebot bereitstellt. Seit 2013 hat sich OUA von einem Aggregator für Hochschulleistungen zu einem Anbieter direkter Bildung für Studenten und Geschäftsleute entwickelt, und bietet als solches u. a. auch Compliance-Schulungen für Unternehmen an.

OUA führte ihre Websites und Back-End-Systeme für Aufgaben wie die Buchhaltung und die Studentenverwaltung zunächst in einem kollokierten Rechenzentrum aus. Die Organisation hatte in dedizierte Server, Speicher, Netzwerktechnologie und die für die Ausführung dieser Systeme erforderliche Infrastruktur investiert. 2012 wurde OUA jedoch bewusst, dass die Skalierbarkeit ihrer Infrastruktur ohne beträchtliche Neuinvestitionen keineswegs dem geplanten Wachstum und einer Ausweitung ihres Bildungsangebots gewachsen war. Zudem ging ein erheblicher Teil der Arbeitszeit ihrer IT-Mitarbeiter an routinemäßige Verwaltungsaufgaben verloren, die besser für Projekte eingesetzt gewesen wäre, die dem Geschäft tatsächlichen Wert gebracht hätten.

Außerdem war die Infrastruktur den Zugriffsspitzen, die regelmäßig gegen Ende der vier Einschreibungsfristen für australische Tertiärbildungseinrichtungen auftraten, nicht gewachsen. Die Einrichtung von Test- und Entwicklungsumgebungen konnte mit der alten und komplexen Technologie bis zu drei Monate dauern. Schließlich – und das war vermutlich der entscheidende Punkt – war die Infrastruktur der Continuous Delivery-Strategie für Softwarereleases, die Erik van Eekelen, Chief Information Officer der OUA, einzuführen gedachte, keineswegs gewachsen. "In vielen unserer Geschäftszweige fanden gleichzeitig ganz unterschiedliche Projekte statt. In meiner Zuständigkeit für Geschäftstransformation und strategische Projekte – ein Aufgabenfeld, das ich neben der Informationstechnologie übernommen hatte –, begann ich, unser Konzept von einem dreimonatigen Softwarerelease-Zyklus auf Continuous Delivery umzustellen, sodass Änderungen täglich bereitgestellt werden könnten. Außerdem wollte mein Team die unterschiedlichen Methoden der Implementierung von Änderungen in der Produktion konsolidieren, da wir mit der bisherigen Strategie weder Konsistenz und Qualität noch die schnelle Markteinführung von Updates und Anwendungen garantieren konnten", erklärt van Eekelen.  

Anlass für das Interesse der OUA an Amazon Web Services (AWS) war gegen Ende 2012 der Plan, ihre Open2Study Massive Open Online Course (MOOC)-Plattform einzuführen. Die Organisation entschied sich dann sehr schnell für diesen Cloud-Serviceanbieter. Das IT-Team der OUA hatte bereits in früheren Funktionen Erfahrung mit AWS gesammelt, und der Bildungsanbieter konnte Open2Study ohne Mindestverpflichtungen oder Langzeitverträgen auf AWS ausführen. Durch die Einführung der AWS-Region Asien-Pazifik (Sydney) war es OUA möglich, ihre Daten zu australischen Studenten auf dem Kontinent zu behalten, und außerdem erhielt die Organisation bei Bedarf jederzeit Zugriff auf lokalen AWS-Support. Wichtig waren OUA auch die Sicherheitsvorkehrungen der AWS; nach einer genauen Prüfung war die Organisation jedoch beruhigt, dass ihre Studentendaten hier gut geschützt aufgehoben wären. Im März 2013 startete der Bildungsanbieter schließlich seine MOOC-Site Open2Study auf AWS. Dank der Agilität und Flexibilität der AWS-Infrastruktur war die Entwicklung von Open2Study nach nur 22 Wochen abgeschlossen. Wenige Monate später unterstützte die Plattform bereits 110 000 Studenten. (Lesen Sie hierzu auch die AWS-Fallstudie aus dem Jahr 2013).

Diese Erfahrung überzeugte OUA, auch ihre übrigen Websites und Back-End-Systeme auf AWS zu migrieren. "Das positive Ergebnis von Open2Study war für uns sehr vielversprechend, und wir sahen, dass AWS die Kapazitäten besaß, die wir in Zukunft brauchen würden. AWS bot uns auch Automatisierungstools wie AWS CloudFormation, mit dem wir neue Umgebungen als wiederholbare, versionskontrollierte Vorlagen definieren konnten, und AWS hatte eine große Community von Fachleuten und Beratern um sich geschart, die uns bei den Continuous Delivery-Verfahren, die wir einzuführen gedachten, würden helfen können. Das ist es, was uns an AWS besonders überzeugte – es geht hier nicht einfach nur um eine jederzeit verfügbare Infrastruktur. Nein, es geht um eine völlig neue Arbeitsweise, die wirklich zu der Art, wie wir arbeiten wollten, passt", erklärt van Eekelen.

OUA begann Ende November 2014 mit der Migration ihrer Back-End-Systeme und Websites auf die AWS-Infrastruktur und schloss dieses Projekt – einschließlich dem Herunterfahren seiner gesamten Infrastruktur im kollokierten Rechenzentrum – Ende Mai 2015 ab. "Die Komplexität dieses Projekts bestand in erster Linie darin, unsere bisherigen Anwendungen, beispielsweise das 32-Bit-System PeopleSoft Campus auf AWS zu implementieren und sicherzustellen, dass diese Anwendungen reibungslos funktionierten, gleichzeitig aber auch die von AWS gebotene Skalierbarkeit und Automatisierung zu nutzen", meint van Eekelen.

Durch die tatkräftige Unterstützung seitens AWS konnte OUA das Projekt termin- und budgetgerecht abschließen. "Die Architekten und technischen Account-Manager von AWS waren sehr wichtig für den Erfolg dieses Projekts. AWS war mit bewährten Methoden für Sicherheit und Architektur in den Bildungs-, E-Commerce- und anderen Branchen vertraut und forderte uns bei Architekturentscheidungen heraus, wenn die AWS-Mitarbeiter der Meinung waren, dass wir in die falsche Richtung steuerten. Tatsächlich konnten wir durch die Umstellung unserer Systeme auf AWS einige Probleme mit unseren Sicherheitsrichtlinien und -konzepten lösen, die uns schon länger bekannt waren, und wir konnten auch einige bewährte AWS-Methoden anwenden", berichtet van Eekelen.

"OUA verwendet in ihren Systemen die verschiedensten Produkte von kommerziellen Lösungen wie PeopleSoft Campus und IBM DataStage zu intern entwickelten Webanwendungen wie ihre auf Java/Spring basierende Website. Im Zuge der Migration auf AWS wurden alle diese Systeme neu implementiert und so weit wie möglich dem "Cloud First"-Konzept angepasst", so Steve Mactaggart, Manager of DevOps and Web Development. Durch Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2), Elastic Load Balancing, AWS Storage Gateway und Amazon Virtual Private Cloud (Amazon VPC) konnten alle OUA-Systeme so umgestellt werden, dass sie dem neuen, kontrolliert sicheren Konzept mit Fokus auf eine hohe Verfügbarkeit entsprechen. Durch die Verlagerung der Oracle-Datenbanken auf Amazon Relational Database Service (Amazon RDS) wurde die Datenbankverwaltung für OUA erheblich vereinfacht und durch die Integration allgemeinerer AWS-Services wie Amazon ElastiCache, Amazon Simple Storage Service (Amazon S3), Amazon Simple Queue Service (Amazon SQS), Amazon Simple Email Service (Amazon SES) und Amazon ElasticSearch Service wurde die Architektur insgesamt einfacher. Auch müssen heute weitaus weniger Server verwaltet werden.

Ein zentrales Anliegen der Organisation war die Einheitlichkeit von Entwicklungs- und Testumgebung. So sollte sichergestellt werden, dass alle Ebenen möglichst identisch aussahen und funktionierten. AWS CloudFormation stellt in Verbindung mit Chef – einer Open Source-Lösung, mit der DevOps-Ingenieure Infrastrukturänderungen als Code schreiben können – sicher, dass alle Umgebungsänderungen kontrolliert erfolgen, standardmäßig dokumentiert werden und es für OUA einfacher ist, ein konsistentes Änderungsmanagementkonzept einzuführen.

OUA stellt seine Anwendungen und Websites nun aus einer kostengünstigen, skalierbaren Infrastruktur bereit, die ausreichend Elastizität für Zugriffsschwankungen und die für Continuous Delivery erforderliche Automatisierung bietet. "Mit den Tools von AWS können wir Änderungen flexibler und automatischer veröffentlichen als es jemals mit unserem kollokierten Rechenzentrum möglich war. Wir haben unsere bisherigen Schritte für die Bereitstellung neuer Anwendungen und Änderungen in der Umgebung genau überprüft und konnten diese durch Continuous Delivery-Prozesse erheblich rationalisieren. Heute stellen wir nahezu täglich neue Releases bereit und verkürzen damit die Zeit, bis unseren internen und externen Kunden dieser Mehrwert zur Verfügung steht", so van Eekelen.

OUA kann nun einfach alles im Anwendungsstack auf kontrollierte Weise ändern, wobei die Änderungen oft in wenigen Minuten vonstattengehen. Damit verkürzt sich für das Technologieteam die Zeit für die Erstellung einer neuen Umgebung von drei Monaten auf weniger als zwei Stunden. Auch ist es van Eekelen durch die Formalisierung von Continuous Delivery gelungen, seine Entwickler auf ein konsistentes, von allen genutztes Verfahren für die Implementierung von Änderungen in der Produktion einzuschwören. "Heute können wir Konsistenz, Qualität und schnelle Markteinführungszeiten garantieren. Der Zugang zu Informationen, die wir zur Lösung von Problemen in der Produktion benötigen, hat sich dabei revolutioniert", meint er.

Durch den Umstieg auf AWS denkt OUA nun auch erstmals daran, seine Infrastrukturkosten innerhalb der nächsten zwei Jahre um bis zu 30 Prozent zu senken. Immerhin beliefe sich dies auf Einsparungen von 1 Millionen AUD (726 850 USD)gegenüber der Betriebskosten der physischen Infrastruktur im kollokierten Rechenzentrum. Diese Einsparungen ergäben sich aus der Ausführung der OUA-eigenen Produktionssysteme nur noch während der Spitzenzeiten um die Kurseinschreibungen und ein Herunterfahren der Test- und Entwicklungsumgebungen über das Wochenende und des Nachts. Darüber hinaus konnte OUA dank der Art und Weise, wie AWS Datenbanken über Amazon RDS unterstützt, auch die Kosten für Datenbanklizenzen senken. "Für mein Team sind die Kosten wesentlich transparenter geworden. Wir sehen nun sehr schnell, wo wir mehr ausgeben, als das Budget hergibt", zeigt sich van Eekelen zufrieden.

Die Personaleinsparungen aufgrund der automatisierten Einrichtung neuer Umgebungen haben OUA nicht verleitet, Mitarbeiter auszustellen. Es beschäftigt nach wie vor sein gesamtes Personal, das nun aber mehr Zeit hat, sich höherwertigen Aufgaben zu widmen. Dank AWS kommen Infrastrukturengpässe, die Projekte verzögern könnten, kaum mehr vor.

Das Geschäft unterstützt nun während der Spitzenzeiten bis zu 1 800 Seitenaufrufe auf seiner Hochschul-Website und 200 Finanztransaktionen pro Stunde, ohne an seine Leistungsgrenzen zu stoßen. "Auf AWS hat sich die Leistung unserer Websites gegenüber unserem physischen Rechenzentrum um 20 Prozent verbessert. Die Unterstützung durch AWS war aber – von Beginn an bis heute – derart exzellent, dass wir sofort noch einmal von vorne starten würden", schließt van Eekelen.

Weitere Informationen zur Verwendung von AWS für Geschäftsanwendungen finden Sie auf unserer Detailseite zu Geschäftsanwendungen.